Neuauflage


Trotz der Tatsache, dass das vorliegende Buch in Konzept und Orientierung weder in den standardisierten disziplinären Kanon der akademischen Wissenschaften noch in die tradierten gewerkschaftlichen und politischen Denkmuster hineinpasste, erfuhr es eine erfreuliche Resonanz. Es handelt sich um eine Sozialgeschichte des Arbeitskörpers und des Arbeitsleids, die, mit vielen Anleihen und Bezügen zur Mentalitäts- und Kulturgeschichte, einen Bogen schlägt vom Arbeitsleben in der Hochindustrialisierung Deutschlands und Österreichs bis in die Sphären der „schönen neuen Arbeitswelt", die alles andere als postindustriell und leidfrei ist. Insofern ist dieses Buch zugleich auch eine Studie zur Soziologie und Pathologie des Arbeitslebens mit vielen Aspekten arbeits- und sozialmedizinischer Provenienz. Mit einem solchen Blick auf die Arbeitsgeschichte zu schauen, hat immer noch Seltenheitswert. Die Kernthese des Buches lässt sich wie folgt zusammenfassen: Wohlstand und Reichtum sind auf massenhaftem körperlich-leiblichen Verschleiß der arbeitenden Klassen aufgebaut. Das Maß des gesetzlich einzufordernden Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz, das im Rahmen des bürgerlichen Staates erreicht werde konnte, ist das Ergebnis harter und langwieriger Klassen­auseinandersetzungen. Die großen Streiks der Massenarbeiter*innen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts schufen die Grundlage für den heutigen globalen Kampf um Menschenwürde in der Arbeitswelt. Die Neuauflage ist erweitert um ein ausführliches Vorwort, das auf neue Veröffentlichungen und insbesondere auf Studien zur Pflegearbeit eingeht, deren Bedeutung angesichts der Corona-Pandemie nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.


Inhaltsangabe und Vorwort zur Neuauflage



Verlag: Die Buchmacherei, Berlin Juli 2022

110 Seiten, 8 Euro

 

Aus dem Vorwort von Gerhard Hanloser:

Die vorliegenden Texte sind wertvolle Beiträge für eine

gesellschaftliche Linke, die sich kritisch mit der proletarischen

Existenzweise und ihrer zunehmenden Prekarität auseinandersetzt

und Wege zur Überwindung dieses gesellschaftlichen

Zusammenhangs sucht, um einen anderen Bezug zur

Natur, zum Anderen und zu sich selbst herausbilden zu können.

Am Ende von Hiens Text wird deutlich, dass ihm befreiungstheologische

Perspektiven nicht fremd sind, die in Aufrufen

kulminieren, Orte der Nähe, der Freundschaft, der Liebe

zu schaffen. In das stahlharte Gehäuse einer als notwendig

erachteten Pandemiebekämpfung durch Social Engeneering a

la ZeroCovid, die sich durch nichts irritieren lassen will, oder

eines septisch reinen „Abstandhalten!" ist damit eine Bresche

geschlagen, um das Licht lebensbejahender Kritik und Praxis

leuchten zu lassen.

 

Einleitung (Wolfgang Hien)

Renzension im Neuen Deutschland

Rezension in der Sozialistischen Zeitung




 

Verlag: Die Buchmacherei, Berlin 2022, 260 Seiten, 15 Euro

 

Unser Buch „Das andere 1968" wirft einen Blick zurück in die Anfänge der Jugend- und Protestbewegung, die sich Ende der 60er-Jahre entwickelte und das Gesicht der Bundesrepublik nachhaltig veränderte. So sehr die Aktionen der Studentenbewegung medial breit präsent sind und zum Gedächtnis der Republik gehören, so wenig bekannt sind die Bewegungen, die gleichzeitig bei dem Teil der Jugend stattfanden, der nicht auf einen akademischen Beruf vorbereitet wurde. Und es gab auch richtige Begegnungen dieser beiden „Welten", die in beide Richtungen abfärbten.

"Das andere 1968" stellt eine solche „Grenzüberschreitung" vor. Zu Wort kommen damalige Akteure. Ihr Aktionsort war das pfälzische Speyer. Hier kamen 1969/70 an das frisch gegründete Speyer-Kolleg viele jungen Menschen zusammen, die ihre Ausbildung gerade abgeschlossen oder auch schon einige Jahre Berufserfahrung hatten, um ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. Der Kolleg-Betrieb war zu dieser Zeit klassisch schulisch strukturiert und inhaltlich autoritär organisiert. Dies bedeutete im alltäglichen Schulbetrieb unter anderem das die Schüler:innen, obwohl fast alle älter als 21 Jahre, wie Minderjährige behandelt wurden. Dies führte zwangsläufig zu wachsenden Auseinandersetzungen mit der Schulleitung, die 1970/71 am Speyer-Kolleg zu mehreren Streik- und Boykottaktionen führten. Mit vielen juristischen Nachspielen für die Organisator:innen.
Die gesamte Stadtgesellschaft von Speyer war damals in die Vorgänge einbezogen und hatte hierzu eine mehr oder minder fundierte Meinung. Es gab große Veranstaltungen in der Stadthalle zu den Vorgängen am Speyer-Kolleg und den Forderungen der Kollegiat:innen. Diese beschäftigten seinerseits sogar den Mainzer Landtag. Es ging den Initiator:innen der Schülerbewegung um die Frage, ob der zweite Bildungsweg - beziehungsweise Bildung überhaupt - emanzipatorisch oder eher in Richtung Anpassung und Verwertung als spätere Arbeitskraft ausgerichtet sein soll. Die Rede ist von der Lehrlingsbewegung und den politischen Aktivitäte von Jungarbeiter/innen.
Die damals engagierten Kollegiat:innen hatten aber auch verschiedene Basisgruppen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Unter anderem hatte eine Basisgruppe enge Beziehungen zu den örtlichen Gewerkschaften. Denn auch in der VFW Fokker - der heutigen PFW Aerospace - gab es zu dieser Zeit eine starke Auszubildendenbewegung und viele gewerkschaftliche Aktivitäten im Betrieb. So wurden unter anderem Vertrauensleute-Schulungen mit Kollegiaten als Dozenten durchgeführt um Erfahrungen auszutauschen.

Diese Ereignisse liegen mittlerweile über 50 Jahre zurück und scheinen langsam in Vergessenheit zu geraten. Um dem entgegenzuwirken, haben die beiden Autoren Wolfgang Hien und Herbert Obenland gemeinsam mit dem Göttinger Historiker Peter Birke diese spannende Zeit in „Das andere 1968" aufgearbeitet.
Hien und Obenland geben als damalige Akteure klug reflektierend biografische Auskunft über ihre Erfahrungen auf den institutionellen Feldern der Auseinandersetzung: Hauptschule, Berufsschule, Labor, Lehrlingsheim, Kolleg, Betrieb und Universität. Die Autoren stellen dabei überzeugend unter Beweis, wie sie durch „1968" verändert wurden und sich trotzdem treu blieben.

 

Buchvorstellung in Speyer

Renzension von Bernd Hüttner

Interview mit Peter Nowak

Rezension in: express - Zeitschrift für sozialistische betriebs- und Gewerkschaftsarbeit

 

 

 



Schwerpunktheft

„Arbeit und Krankheit“

 

Juni 2021, herausgegeben von Wolfgang Hien und Peter Mattes